Anima Eterna Brügge
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Vertretungen in Deutschland und
weiteren europäischen Ländern
sind nicht gekennzeichnet.

Anima Eterna Brügge - Jos van Immerseel

Anima Eterna Brügge und Jos van Immerseel, diese beiden Namen sind untrennbar miteinander verbunden. Mit dem Symphonieorchester Anima Eterna geht der Dirigent Jos van Immerseel immer wieder aufs Neue auf die Suche nach den Ursprüngen einer jeden Komposition. Die Zusammenarbeit zwischen den Dirigenten und seinem Orchester ist geprägt von der gemein-
samen Leidenschaft für die epochengetreue Rekonstruktion des musikalischen Erbes. Sowohl das Publikum wie auch Musiker und Kritiker kommen dadurch in den Genuss ergreifender Auf-
führungen und überraschender Erkenntnisse.

Mozart verlangte von den Musikern, die seine Stücke aufführten, „dass jedermann glaubt, dass der Musiker der Komponist selber ist“. An diesem Postulat orientiert sich auch Anima Eterna Brügge, was den Konzerten des Orchesters Farbe und Reichtum verleiht. Anima Eterna vereint Forschung und Praxis zu einer überzeugenden Symbiose, indem es die originalen Partituren einer kritischen Untersuchung unterzieht und auf Epocheninstrumenten spielt und so die ur-
sprüngliche Orchestrierung rekonstruiert. Dies hat zur Wiederentdeckung eines Klangidioms geführt, das mit dem üblichen modernen Orchesterklang in keiner Weise übereinstimmt.

Anima Eterna begann 1987 als kleines Barockensemble. Im Laufe der Jahre baute Jos van Immerseel es zu einem vollwertigen Symphonieorchester aus, dessen Besetzung sich nach dem jeweiligen Programm richtet und je nach den Anforderungen der historischen Aufführungs-
praxis von sieben bis zu 80 Musikern variiert. Der Musikgeschichte entsprechend vertiefte sich Anima Eterna neben dem Barock auch in das klassische und frühromantische Repertoire.

In den vergangenen Jahren ist es Anima Eterna Brügge gelungen, einen ausgezeichneten Ruf aufzubauen. Er ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Orchester häufig und erfolgreich die ausgetretenen Pfade des 19. Jahrhunderts verließ, wobei die neuen Erkenntnisse als Leit-
faden dienten. So wurden die Aufführungen der symphonischen Werke von Beethoven und Schubert von der internationalen Musikkritik begeistert gefeiert.

Anima Eterna Brügge arbeitet projektbezogen. Fünf bis sechs Mal im Jahr konzentriert das Or-
chester sich einige Wochen lang auf ein bestimmtes Repertoire. Das kommt dem Tiefgang zu-
gute und versetzt sowohl das Orchester wie die beratenden Musikwissenschaftler in die Lage, eine musikwissenschaftliche Basis für die historische Aufführungspraxis zu erarbeiten. Ein fester Kern sehr flexibler Solisten wird pro Konzert um Musiker erweitert, die Erfahrungen auf dem Ge-
biet des jeweiligen Repertoires und der jeweiligen Instrumente haben. Der intensive Dialog zwischen Dirigent und Orchester füllt eine große Lücke innerhalb des traditionellen Musikunter-
richts nach dem Modell des 19. Jahrhunderts, die in der mangelnden Berücksichtigung der Rhe-
torik und der Affektenlehre besteht.

Seit 2003 residiert Anima Eterna mit Jos van Immerseel als „Orchestra in residence“ im neuen Concertgebouw in Brügge.

JOS VAN IMMERSEEL

In den Jahren 1996 und 1997 erschienen bei Sony Classical alle Klavierkonzerte Beethovens mit Jos van Immerseel als Solist sowie eine Gesamtaufnahme der Sinfonien Schuberts mit dem Orchester Anima Eterna Brügge unter seiner Leitung. Beide Aufnahmen sorgten für Furore in den Medien und erhielten viele internationale Preise.

Diese Erfolge kamen jedoch nicht überraschend: Mit über 100 Aufnahmen (Accent, CBS, Chan-
nel Classics, Sony, Deutsche Harmonia Mundi, EMI, Erato, Globe u.a.) ausschließlich auf histo-
rischen Instrumenten stellt Jos van Immerseel alles andere als einen "Newcomer" der Musik-
szene dar. Allein 40 CDs spielte er mit Anima Eterna ein. Der innovative Charakter seiner Auf-
nahmen und Konzerte, der sich auf einen profunden wissenschaftlichen Hintergrund, eine reiche Auswahl an Instrumenten und eine ausgeprägte Musikalität gepaart mit technischer Meister-
schaft stützt, macht den Grund seines anhaltenden Erfolges aus. Seit dem Jahre 2002 gibt das Pariser Label Zig-Zag Territoires die "Collection Anima Eterna" heraus, die sich parallel zu den Konzertprojekten bereits weit in das Repertoire des späten 19. Jahrhunderts vorgearbeitet hat, darunter Werke von Johannes Brahms, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Alexander Borodin, Nikolay Rimsky-Korsakov, Franz Liszt und Maurice Ravel.

Mit seiner Frau, der Pianistin Claire Chevallier, hat Jos van Immerseel eine eindrucksvolle Sam-
mlung historischer Tasteninstrumente aufgebaut. Die Kollektion wird regelmäßig erweitert und restauriert, so daß ein intensives Studium der Beziehung zwischen den Kompositionen und den für ihre Interpretation erforderlichen Instrumenten sowie den entsprechenden Techniken möglich ist. So reist das passende Instrument immer zum jeweiligen Konzert- oder Aufnahmeort mit. Die-
se Grundkonstellation ist auch an der Arbeit Jos van Immerseels als Dirigent erkennbar, insbe-
sondere mit dem 1987 von ihm gegründeten Orchester Anima Eterna Brügge.

In Antwerpen geboren, studierte Jos van Immerseel Klavier bei Eugène Traey, Orgel bei Flor Peeters, Cembalo bei Kenneth Gilbert, Gesang bei Lucie Frateur und Dirigieren bei Daniel Sternefeld. Seine Orgelstudien wurden durch den starken Einfluß von Marcel Druart und zahl-
reiche Studienaufenthalte ergänzt. Seine besondere Gabe, vom Blatt zu spielen, wurde 1963 beim Internationalen Wettbewerb "Klavierspiel vom Blatt" des Bayerischen Rundfunks mit einem Preis ausgezeichnet.

Im Jahre 1964 gründete Jos van Immerseel das Collegium Musicum, das vorwiegend Werke aus Barock und Renaissance vorstellte. Gleichzeitig widmete er sich der Wiederentdeckung des Clavichords und des Cembalos. 1973 erhielt er sein Konzertdiplom mit höchster Auszeichnung und gewann beim ersten Cembalo-Wettbewerb von Paris.

Zu dieser Zeit hatte er Gelegenheit, mit Instrumenten aus dem Antwerpener Vleeshuis Museum zu arbeiten, von denen er zwei den größten Einfluß in seiner musikalischen Entwicklung zu-
schreibt: Ioannes Dulcken, 1747, und Conrad Graf, 1826. Wesentlich war darüber hinaus der Austausch mit seinen Kollegen René Jacobs, Sigiswald Kuijken, Jaap Schröder, Anner Bijlsma, Paul Van Nevel, Guy de Mey und Paul Dombrecht. Weitere Kammermusikpartner neben Claire Chevallier waren u.a. Midori Seiler, Sergei Istomin, Eric Hoeprich, Anne Galowich und Thomas Bauer.

Zwischen 1970 und 1985 konzentrierte sich Jos van Immerseel zunächst auf barockes Reper-
toire, weitete dieses jedoch bald auf Klassik, Romantik und sogar auf den Impressionismus aus. Einen Höhepunkt dieser Jahre stellt die inzwischen legendäre Rekonstruktion von Monte-
verdis "Orfeo" im Jahre 1977 dar. In den 1980er Jahren war Jos van Immerseel häufig Gast-
dirigent des Niederländischen Kammerorchesters, des Radio-Kammerorchesters und des Niederländischen Kammerchors. Seitdem folgten u.a. Gastauftritte bei der Berliner Akademie
für Alte Musik, der Wiener Akademie, der Tafelmusik Toronto sowie beim Budapest Festival Orchestra.

Das Unterrichten bildet einen weiteren Schwerpunkt der Aktivitäten Jos van Immerseels. Er wird häufig eingeladen von Konservatorien und Universitäten in ganz Europa, darunter die Scola Can-
torum in Basel, das Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam, dessen künstlerischer Leiter er von 1982 bis 1985 war, sowie das Conservatoire Supérieur de Musique in Paris. Ferner gibt er regelmäßig Meisterkurse in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan.

Mit der Gründung von LABO 19 erfüllte sich ein lang ersehnter Traum von Jos van Immerseel und Claire Chevallier. Das Projekt setzt sich die Erforschung und Dokumentation der Aufführungs-
praxis der Musik des 19. Jahrhunderts zum Ziel. Viele angesehene Musiker und Wissenschaftler kooperieren mit dieser auf der Welt einzigartigen Initiative.

Jos van Immerseels Vielseitigkeit erstreckt sich auch auf das Stimmen und Pflegen seiner In-
strumente, die Veröffentlichung zahlreicher musikwissenschaftlicher Abhandlungen sowie die Vorbereitung seiner CD-Beilagenhefte.

Kölner Stadt-Anzeiger, 24. August 2009
„... ein Maximum an Spieltechnik und Ausdruck, Präzision und Klang erreicht. Haydns Tempi und Temperamente, Kapriolen und Werkstattgeheimnisse bezaubern durch ihre farbig-feine Aus-
arbeitung."

Concerto, April/Mai 2009
„Jos van Immerseel führt sein Ensemble Anima Eterna gleichermaßen mit Eleganz und Furor. Wunderbar, wie er in der langsamen Einleitung des Kyrie den homophonen Korpus des vier-
stimmigen Satzes plastisch herausarbeitet, wie er mit den langen Tönen eine ballistische Kurve beschreibt, die Chor und Orchester gleichermaßen mit wachsendem und lebendigen Ton aus-
füllen. Überhaupt besticht das Ensemble mit einer wohldisponierten dynamischen Binnenge-
staltung, die immer am Text orientiert wird. Immerseel 'animiert' sein Orchester zu federnd-pulsierender Gestaltung. Und immer wieder erfreuen dabei die virtuos geschlagenen und herr-
lich sprechenden Paukenfiguren. (...) Diese Haydn-Messe [Missa Cellensis] ist ein Wunderwerk an musikalischer und liturgischer Entfaltung - und Jos van Immerseels Produktion ein aufregen-
des Geschenk zum Haydn-Jahr"

Kölner Stadt-Anzeiger, 31. März 2009
„'Charmante Verspieltheit, eingerahmt von maßloser Leidenschaft.' In diese knappe Formel könnte man das Programm des Sinfoniekonzerts im Forum [Leverkusen] gießen. (...) das, was der belgische Maestro und sein Orchester an sinnlicher Vitalität aus den Meisterwerken franzö-
sischer Sinfonik heraushoeln, verdient ausführliche Bewunderung. (...) Orchester und Dirigent sind auf diesem Weg zu einer Interessengemeinschaft von unglaublichem Wirkungsgrad zu-
sammengewachsen. Der unaufdringliche Input vom Pult löst im Orchester einen Output aus, dem es an Brillanz an Nichts fehlt: Einsätze, dynamische und Tempoänderungen, rhythmische Akzente. In Ravels 'Boléro' spielen die Gäste diese Tugenden gleich voll aus. Der Spannungs-
aufbau - unerbittlicher Grundpuls versus instrumentale und dynamische Anreicherungen - lässt an raffinierter, blutvoller Brutalität nichts offen. (...)  Auch hier [in Ravel 'La Valse'] begeistert die farbenreiche Klangkultur des Orchesters. (...) Das ganz große Bravo verdient aber sicher das Orchester als Einheit, dessen Klangbild von großem Können und diszipliniertem Elan bestimmt ist. (...) Der Dirigent als Pianist und Claire Chevallier nehmen sich des letzteren, einem freund-
lich-verschmitztem Werk [das 'Konzert für zwei Klaviere' von Francis Poulenc], mit Bravour und Esprit an. Ein außergewöhnlich musikantischer Abend."

Rheinische Post, 31. März 2009
„Symmetrie bestimmte das Orchester-Gastspiel von 'Anima Eterna' (...) Es war ein außerge-
wöhnlicher Abend, der dem Publikum der Kulturabteilung Bayer frische, spannende und neue Hörerfahrungen bescherte. Den Rahmen bildeten Maurice Ravels choreographische Komposi-
tionen 'Boléro' und 'La Valse', die Immerseel und das von ihm 1987 als Barockensemble ge-
gründetes Orchester sehr effektvoll vortrugen. (...) Wenn hier die stete Steigerung an Klang und Farben den Reiz ausmachten, so war es beim Schlussstück der zarte Nebel (...) Ausgesprochen vergnüglich war das Konzert für zwei Klaviere und Orchester von Francis Poulenc. Rücken an Rücken saßen Dirigent und die Pianistin Claire Chevallier an ihren historsichen Erard-Hammer-
flügeln. Werktreue Aufführungspraxis im Stil der jeweiligen Epoche ist die Basis für Anima Eter-
na. Und so mochte man sich, vor allem bei den gemeinsam erfühlten Solopassagen, zurück-
versetzt fühlen in die Salons der Jahrhundertwende."

FonoForum (Attila Csampai), Dezember 2006
„So authentisch, so spannend, so märchenhaft-verzaubert und choreographisch-präzis hat man Ravel seit Kriegsende nicht mehr zu hören bekommen: ein echtes Kulturalbum!"

Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 16. Oktober 2006
„Das waren wirklich beeindruckende und sicher auch ungewohnte Klänge, die van Immerseel dem Publikum im Alfried Krupp-Saal servierte.(...) Das Zusammenspiel wirkte ausgesprochen harmonisch ..."

Ruhr-Nachrichten, 16. Oktober 2006
„Die Streicher spielten vibratolos schlank, akzentuierten dezent, auch die Bläser benutzten natürlich historische Instrumente. Ihre hervorgehobene Rolle brachte spannende Resultate."